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Webkonferenzen, Webinare und Live Online Trainings

Lionco: Das deutschsprachige Blog über Webkonferenzen, virtuelle Klassenräume und Web-Videokonferenzen.

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Live Online Events in Second Life - Podiumsdiskussion (2)

Matthias Rückel | 05 November, 2006 12:42

Freitag war ich wieder mal Gast in der virtuellen Welt Second Life und besuchte dort als einer von fast 40 Zuhörern die Plenumsdiskussion "Second Life - Potentiale für Unternehmen und Marketing in virtuellen Welten”. Update: Patrick Breitenbach hat die Aufzeichnung des Podcast jetzt veröffentlicht und nur 20 Teilnehmer gezählt. Vielleicht liegt es daran, das ich mit zwei Notebooks unterwegs war ;-).

Mich interessierte neben den Inhalten, die Veränderungen die eine virtuelle Welt wie Second Life auf Besprechungen, Veranstaltungen und Trainings besitzen wird. Dabei stellte ich überraschend fest, daß Veranstaltungen in Second Life mehr Ähnlichkeiten mit Präsenzveranstaltungen besitzen als klassischen Webkonferenzen oder Webinare.

Die Veranstaltung war von der Veranstaltungsform her ein klassischer Webcast. Die Podiumssprecher wurden live als SkypeCast übertragen, da in Second Life zur Zeit keine Audioübertragung möglich ist. Die Moderatorin Katja aka Kalexica fasste die im Chat gestellten Fragen zusammen und trug sie in die Diskussionsrunde. Und doch, durch die virtuelle Umgebung und die Avatare in Second Life ist das Erleben des Webcasts anders und trotzdem sehr vertraut.

Podiumsdiskussion in Second Life

Grafik: Der Verstanstaltungsraum des Corecon Convention Centers in Second Life.

Allein die Tatsache ein Veranstaltungsgebäude zu betreten, hat einen vertrauteren Charakter als der Blick auf die Bildschirmoberfläche einer der heute üblichen Webkonferenzsysteme.

Vyew Bildschirmfotos

Grafik: Übliche Webkonferenzoberfläche am Beispiel von Vyew 2.0

Übrigens, der Erstellungsaufwand des Corecon Convention Center in Second Life betrug nach Angaben des Erbauers 8 bis 10 reale Manntage.

Avatare machen was Sie wollen


Im Gegensatz zu normalen Webkonferenzen und Webinaren in denen Teilnehmer in einer Liste "festgekettet" sind, können Avatare in Second Life austehen, herausgehen oder einfach herumlaufen, wie in klassischen Präsenzveranstaltungen vor Ort. Wie einem Erfahrungsbericht zu entnehmen ist, besitzen sie die Möglichkeit die Veranstaltung gewollt oder ungewollt zu stören.

Podiumsdiskussion in Second Life

Grafik: Die Avatare der Teilnehmer treffen sich für das Abschlußfoto auf der Bühne.

Störungen in einer Webkonferenz hat es bei Microsoft vor ein paar Tagen in ähnlicher Weise gegeben. Es gibt zwischen beiden Fällen einen strukturellen Unterschied, Avatare in Second Life können sich prinzipiell frei bewegen, während es bei klassischen Webkonferenzen Konfigurationsfehler sind, die den Teilnehmern Störungsmöglichkeiten einräumen.

Ausmerksamkeit und Konzentration auf die Inhalte

Die virtuelle Darstellung der Podiumssprecher wirkt zu Beginn als vorteilhafter visueller Anker. Dieser Vorteil verliert sich mit der Zeit, da sitzende Avatare sich nicht bewegen. Leider war der aktuelle Sprecher optisch nicht zu identifizieren, dies ist ein echter Nachteil gegenüber klassischen Video- oder Webkonferenzen. Der eingeblendete Chat lenkt, wie bei klassischen Webkonferenzen auch, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer von Bühnengeschehen ab.

Podiumsdiskussion in Second Life

Grafik: Blick von der Bühne während ich selbst noch im Publikum sitze. Ich betrache mich also gerade selbst (ohne Spiegel!).

Im Gegensatz zu klassischen Webkonferenzen können Avatare in Second Life Ihren Blick schweifen lassen, vergleichbar mit dem Blick aus dem Fenster bei Präsenzveranstaltungen vor Ort. Der Blick innerhalb der virtuellen Veranstaltung ist nicht mehr zwangsläufig auf die Folien oder die Sprecher gerichtet. An diesem Punkt bieten klassische Webkonferenzen einen deutlichen Vorteil.

Hohe Medienkompetenz der Teilnehmer erforderlich

Das Niveau der erforderlichen Medienkompetenz ist nicht zu unterschätzen. Die Teilnehmer müssen Second Life herunterladen und installieren. Sie müssen sich in der virtuellen Welt zurechtzufinden und ihren Avatars beherrschen lernen. Ansonsten passiert es, daß der Teilnehmer nicht im richtigen Raum ist oder in die falsche Richtung blickt.

Podiumsdiskussion in Second Life

Grafik: Die Veranstalter der Podiumsdiskussion leisteten hier eine sehr gute Unterstützungsarbeit. Sie projezierten drei Informationstafeln mit technischen Hinweisen auf die Bühne.

Immense technische Ressourcen sind notwendig

Second Life benötigt auf der Teilnehmerseite immense Hardware Ressourcen. Der Prozessor meines nur zwei Jahren alten Notebooks war nach dem Start zu 85% ausgelastet, Skype erhöhte die Auslastung des Prozessors auf 100%. Es war eine Frage der Zeit, bis Skype abstürzte. Über ein zweites Notebook wählte ich mich wieder in den Skypecast ein. Der hohe Ressourcenbedarf ist augenblicklich eindeutig eine Hürde.

Anonymität und Kommunikationskanäle

Die Besucher von Second Life geben ihren Avataren eigene Fantasienamen, ein Rückschluß auf realen Personen dahinter ist nicht möglich. Die Anonymität öffnet Menschen zu Verhaltensweisen und Äusserungen im Chat, die sie im realen Leben nicht wagen würden. Hier liegt ein Reiz von Second Life, welchen die vielen eindeutigen Vergnügungsparks beweisen.

Eine zukünftige Sprachintegration (Voice over IP) in Second Life ist gut vorstellbar, sie würde die Anonymität nicht vollkommen aufheben und die Intensität der Kommunikation deutlich erhöhen. Die Integration einer Videokonferenz kommt mir im Moment unpassend vor. Es darf an dieser Stelle darüber spekuliert werden, ob die wachsende Kommerzialisierung von Second Life und das damit verbundene Bedürfnis nach Transparenz und Vertraue, sich auf die Anonymität auswirkt.

Was bleibt?

Um über die Auswirkungen von Second Life auf professionelle Geschäftsbeziehungen etwas sagen zu können, werde ich die gemachten Erfahrungen erst einmal wirken lassen und in Ruhe reflektieren. Die technischen Hürden und Probleme mit der Medienkompetenz relativieren sich mit der Zeit. Virtuelle Umgebungen sind per se faszinierender und vertrauter als abstrakte Softwareoberflächen. Hier liegt das Potential von Second Life. Second Life ermöglicht eine intensive, neue und doch sehr vertraute Kultur der Zusammenarbeit und Kommunikation.

Mein Fazit

Ich werde Second Life zukünftig regelmässig besuchen. Als Unternehmer dort eine virtuelle Filiale zu betreiben ist mittelfristig denkbar und vom Kommunikationskonzept dem Live Online Office im Internet ähnlich. Der größte Unterschied besteht augenblicklich in der erreichbaren Zielgruppe. Im Internet sind gleichzeitig Millionen von Surfer aktiv, in Second Life ca. 8.000-15.000 Avatare. Es gibt trotz aktuellen Medienrummel keinen Grund etwas zu überstürzen.

Second Life verändert die Kommunikation über Entfernungen hin zu einer gemeinsamen Erlebniswelt und bietet damit im Gegensatz zur normaler Software und normalen Webseiten eine neue Qualität der Kommunikation. Willkommen im Web 3.D.

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Matthias Rückel | 06/11/2006, 17:51

Hallo Patrick, danke für Deinen Kommentar. Im CCC waren ca. 20 Avatare, im Skypecast waren es ca. 40 Zuhörer. Da sieht man mal wieder die Macht des Visuellen auf die menschliche Wahrnehmung. Ich war über die hohe Zahl in Skypecast sehr überrascht, deshalb ist Sie mir im Gedächnis geblieben.

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Patrick Breitenbach | 06/11/2006, 16:58

Das war ne Schätzung, hast du tatsächlich mehr gezählt? Ich lasse mich gerne korrigieren.

 
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