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Matthias Rückel | 30 November, 2007 11:15

Bild: Gegenüberstellung Bücherregal (3D) und Amazon Homepage (2D)
Es wird oft nach dem Nutzen von 3D-Umgebungen wie Second Life gefragt. Als Vorteil wird in der Regel die Immersion angeführt, dieses "Eintauchen" in die konkrete Situation. Was bedeutet Immersion für den Anwender und für Lernszenarien?
Ein Wirksmechamismus der Immersion ist das unmittelbare Anwenden von Alltags- und Erfahrungswissen. Virtuelle Welten wie Second Life, die auf vielen Methaphern der realen Welt basieren bieten diesen Vorteil. Ein direkter Vergleich zwischen 3D und 2D-Applikationen und Situationen macht den Unterschied deutlich.
Bei dem oberen 3D-Bild des Bücherregals ist sofort klar, um was es sich handelt (Bücher, Regale). Der Anwender weiß aus seinem Alltag, was er damit tun kann (herausholen, blättern, lesen, ggf. kaufen). Bei einer normaler Webseite ist das nicht der Fall, ohne zusätzliche schriftliche Erklärungen (Text, Icons) ist das Ziel und die Funktionen einer Seite nicht zu erahnen.

Bild: Virtuelles Veranstaltungszentrum von Bildungsanbietern
Ein Gebäude mit dem Logo der vhs in Kombination mit dem Alltagswissen des Nutzers lässt tiefgehende Rückschlüsse auf die Inhalte der Gebäudes zu und was den Besucher dort erwartet. Der Nutzer weiß, daß er durch die Tür gehen kann, dort Programme findet etc. Wenn ein Avatar zu sehen ist, kann er davon ausgehen, einen vhs-Mitarbeiter dort dort anzutreffen. Im Internet müssen Veranstaltungsformate und die Funktion der Plattform in längeren Texten erklärt werden.
Übrigens ist die Teilnehmerresonanz auf das offene Bildungsangebote in Second Life höher als im Internet. Obwohl im Internet erprobte, ausgefeiltere und stabilere Technik genutzt wird und die potenzielle Zielgruppe um ein vielfaches größer ist. Eine interessante Beobachtung.

Bild 3: Eine Folienpräsentation, ein Training in seiner einfachsten Form in einem virtuellen Schulungsraum.
In der 3D-Umgebung wird automatisch ein Gefühl des "dabei seins" entwickelt, die Avatare verleihen den virtuellen Teilnehmern eine Persönlichkeit, eine Ausstrahlung. Der Vortragende kann mit seiner Bewegung vor dem virtuellen Beamer arbeiten.
Noch deutlichere Vorteile gibt es zum Beispiel, wenn Sie Gruppenarbeiten organisieren möchten. Mit einer Internetsoftware ist das möglich, aber für die Teilnehmer ein hochgradig abstraktes Vorgehen.
Ein Beispiel: Wenn Sie eine Gruppe von 10 Teilnehmern in zwei 5er Gruppen aufteilen, nehmen die Teilnehmer (im Intenet) keinen Raumwechsel wahr, sondern eine Verkürzung der Teilnehmerliste von 10 auf 5 und die Beschriftung der Raumes in der Titelzeile des Browsers wandelt sich von "Raum 1" in "Raum 2". Von den Teilnehmern wird die hochabstrakte Vorstellung verlangt, daß sie sich jetzt in einen anderen zweidimensionen virtuellen Raum zu befinden. Nach meinen Erfahrungen können viele diesen Weg nicht nachvollziehen und fragen, ob die fehlenden 5 Teilnehmer technische Probleme haben und aus dem Raum gefallen sind.
In 3D-Welten ist dieser Vorgang dagegen trivial. Die Avatare stehen auf und gehen in den benachbarten Gruppenraum. Sämtliches Alltags- und Erfahrungswissen wird genutzt und übertragen, es gibt keinerlei Abstraktionsprobleme.
Meiner Meinung nach ist dies ein Erfolgsfaktor von 3D-Umgebungen. Ein weiterer Effekt ist, daß Fachtermini in der bisher gebotenen Form nicht mehr notwendig sind. "Live-Online-Training", Webinar oder Webcast. sind Begriffe mit denen man im Internet synchrone Veranstaltungen bezeichnet. Im Second Life führen Sie einen Kurs oder Seminar im Gebäude durch, gehen zu einem Event in der Frankfurter Eissporthalle oder besuchen mich im 6. Stock des Frankfurter Messeturms. Versuchen Sie mal einen ähnlichen Sachverhalt für eine Veranstaltung im Internet ohne Fachtermini zu beschreiben.
Beispiel Lernwege: Bei der Gestaltung von Lernszenarien ist dieser Vorteil aktiv nutzbar.Emil | 01/12/2007, 15:48
Manueller Trackback | 30/11/2007, 19:43
Matthias Rückel hat dazu auch einen guten Artikel geschrieben.
Danke für den Artikel! Gibt es irgendwo eine Englishe Übersetzung? Wenn nicht, darf ich den Artikel übersetzen und einen Link als Referenz zu dieser Webseite lassen?